Scheidungsrecht - Wann kann eine Ehe geschieden werden?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie eine Ehe geschieden werden kann:

 

Einvernehmliche Scheidung:

Zum Einen kann eine Ehe einvernehmlich geschieden werden. Das gemeinsame Scheidungsbegehren kann entweder in Form eines gemeinsamen Antrags der Ehegatten oder in Form der Zustimmung eines Ehegatten zum dem Scheidungsantrag des anderen Ehegatten gestellt werden. Voraussetzung für eine einvernehmliche Ehescheidung ist, dass die eheliche Gemeinschaft bereits ein halbes Jahr aufgehoben ist und beide Ehegatten die Zerrüttung ihrer Ehe eingestehen. Schliesslich müssen die Ehegatten im Rahmen einer schriftlichen Vereinbarung eine Regelung hinsichtlich der Scheidungsfolgen treffen: Sie müssen sich über die Frage des Besuchsrechts / der Obsorge /des Aufenthalts / der Betreuung hinsichtlich der gemeinsamen Kinder einigen. Des Weiteren ist im Rahmen einer Vereinbarung über die Scheidungsfolgen eine Regelung hinsichtlich Ehegattenunterhalt zu treffen. Schliesslich íst im Rahmen der Scheidungsvereinbarung eine Einigung über die vermögensrechtlichen Ansprüche (die Aufteilung der ehelichen Ersparnisse, die Aufteilung der Schulden, die Aufteilung des ehelichen Gebrauchvermögens, den Hausrat etc.) zu treffen.

Ohne Elternberatung keine einvernehmliche Scheidung

Bei einer einvernehmlichen Scheidung müssen sich die Eheleute schließlich dem Gericht nachweisen, dass sie sich über die aus der Scheidung resultierenden Bedürfnisse ihrer minderjährigen Kinder bei einer geeigneten Person oder Einrichtung (es gibt eine Liste von anerkannten Einrichtungen) haben beraten lassen.

Streitige Scheidung - Scheidungsklage

Schliesslich kann eine Scheidung wegen Verschulden des anderen Ehegatten an der Zerrütung der Ehe geschieden werden.

Im Rahmen einer Scheidungsklage hat der Ehegatte darzulegen, welche Eheverfehlungen der andere Ehegatte gesetzt hat, die zu einer unheilbaren Zerrüttung der Ehe geführt haben. Die gängigsten Eheverfehlungen sind Ehebruch, physische und psychische Gewalt, unanständiges Verhalten, Weigerung gemeinsam zu wohnen/einen gemeinsamen Haushalt zu führen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Verhaltensweisen eines Ehegatten, die eine scheidungsrelevante Eheverfehlung darstellen können. Auch mehrere nicht schwere Eheverfehlungen des Ehegatten können unter Umständen in ihrer Gesamtheit, insbesondere wenn sich das eheverfehlende Verhalten des Ehegatten wiederholt oder über einen längeren Zeitraum andauert, einen Beitrag zur Zerrüttung der Ehe leisten und damit unter Umständen eine Scheidungsgrund bilden.

Frist für die Geltendmachung des ehewidrigen Verhaltens des Ehegatten

Achtung: Ein Ehegatte muss das einen Scheidungsgrund bildende Verhalten des anderen Ehegatten (daher die Eheverfehlung) spätestens 6 Monate nachdem er Kenntnis von diesem Verhalten hat, im Rahmen einer Scheidungsklage geltend machen, ansonsten erlischt das Recht auf Scheidung wegen Verschuldens aus diesem einen Scheidungsgrund.

Diese Frist läuft jedoch nicht, wenn die häusliche Gemeinschaft schon aufgehoben ist (daher einer der Ehegatten aus der Ehewohnung ausgezogen ist).

Achtung: Wenn der "schuldige Ehegatte" den anderen auffordert, die häusliche Gemeinschaft wiederherzustellen oder die Klage auf Scheidung zu erheben, dann läuft die Frist vom Empfang der Aufforderung an. Beispiel: Wenn der "schuldige" Ehegatte, der eine Eheverfehlung begangen hat, in der Folge aus der Ehewohnung ausgezogen ist, jedoch den anderen bald danach auffordert, die häusliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen oder die Scheidungsklage einzubringen, ist Handeln angesagt: In so einem Fall beginnt die Frist für die Scheidungsklage ab Aufforderung des "schuldigen" Ehegatten zu laufen.

Das Verhalten, dass unter Umständen eine Eheverfehlung darstellt, muss - um scheidungsrelevant zu sein - nach der Eheschliessung gesetzt worden sein.

Scheidung gegen den Willen des Anderen

Jedenfalls geschieden werden kann auch gegen den Willen des anderen Ehegatten, wenn die eheliche Gemeinschaft bereits seit drei Jahren aufgelöst ist.